Im Zweiklang

Begegnung polnischer und deutscher Chormusik

Werke von Paweł Łukaszewski, Zuzanna Koziej, Henryk Górecki, Johann Sebastian Bach, Johannes Brahms, Heinrich Schütz u.a.

  1. Stiftskirche Beutelsbach
    Stiftstraße 21
  2. Stiftskirche Backnang
    Stiftshof 9
  3. St. Petrus, Tübingen
    Pfrondorfer Str. 24
  4. Friedenskirche Oberaichen
    Achalmstr. 5
  5. St. Georg, Sopot (Polen)
    Tadeusza Kościuszki 1
  6. Nikolaikirche, Danzig (Polen)
    Świętojańska 72
  7. Kathedrale Mariä Himmelfahrt und St. Andreas, Frombork (Polen)
    Katedralna 8

Alle zwei Jahre begibt sich der Südwestdeutsche Kammerchor Tübingen auf Konzertreise. In diesem Jahr führt sie erstmals nach Polen, in die Ostseestadt Danzig. Dort gestalten wir mehrere Konzerte in unter­schiedlichen Zusammen­hängen, unter anderem im Rahmen eines Festivals und in Kooperation mit dem Danziger Universitätschor.

Wie die Reise selbst versteht sich auch das Konzert­programm als musikalische Begegnung zwischen Deutschland und Polen. Es zeigt, wie nah sich beide Länder in ihren a-cappella-Traditionen sind und wie ähnlich Komponist*innen verschiedener Epochen Themen wie die Suche nach Trost, das Vertrauen auf Gott und die Sehnsucht nach Frieden gestalten. Der Zweiklang deutscher und hierzulande wenig bekannter polnischer Chormusik wird so unmittelbar erfahrbar.

Zu Beginn erklingt „Vox in Rama“ von Mikołaj Zieleński (1585–1620), ein expressives Werk des Frühbarocks. Chromatik und klangliche Kontraste machen den Schmerz der biblischen Rahel eindringlich hörbar.

Johann Sebastian Bach (1685–1750) antwortet mit der doppelchörigen Motette „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn“, die vermutlich aus seiner frühen Schaffens­zeit stammt. Die beiden Chöre werfen sich die Bitte um Segnung zu, bevor sie sich in einem einmaligen Ausruf zusammen­finden und der Choral „Weil Du mein Gott und Vater bist“ im Sopran über einer lebendigen Fuge erklingt.

Mit „In te Domine speravi“ von Wacław z Szamotuł (1520–1560) öffnet sich der Blick zurück in die Renaissance: Klare Linien und ruhige Mehr­stimmigkeit verleihen dem Psalmtext zeitlose Gelassenheit. Heinrich Schütz (1585–1672) gestaltet denselben Text auf Deutsch im italienischen Motetten-Stil.

Den Mittelpunkt des Konzerts bilden Johannes Brahms’ (1833–1897) „Fest- und Gedenksprüche“. Ihre doppelte Choranlage entfaltet eine eindrucksvolle Räumlichkeit. Brahms komponiert dieses Werk anlässlich der Verleihung der Ehrenbürgerschaft von Hamburg an ihn und erinnert damit auch an die Gründung des deutschen Nationalstaates 1871.

Die zweite Programmhälfte widmet sich der polnischen Chormusik des 20. und 21. Jahrhunderts. In Józef Świders (1930–2014) „Cantus gloriosus“ entfaltet sich ein leuchtender, rhythmisch vitaler Lobgesang. „Totus tuus“ von Henryk Mikołaj Górecki (1933–2010) zieht seine Kraft dagegen aus asketischer Ruhe. Das Werk ist 1987 anlässlich der dritten Polen-Reise von Papst Johannes Paul II entstanden.

Mit „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ von Paweł Łukaszewski (*1968) erklingt schließlich eine besondere Begegnung: Der bekannte deutsche Choral erfährt eine neue varianten­reiche Vertonung voll von über­raschenden Harmonien und Wendungen, changierend zwischen Dur und Moll.

Den Schlusspunkt setzt Zuzanna Koziej (*1994) mit „Da pacem“ – einem innigen Friedensruf, der sowohl mit rhythmischen Elementen als auch mit uner­warteten harmonischen Wendungen spielt. Die junge polnische Komponistin erneuert den niemals alt werdenden Aufruf zum Frieden, der uns auf unserer Reise nach Danzig begleitet.